Vor Kurzem besuchte ich das WordCamp Cologne in der rheinischen Metropole Köln. WordCamps sind für mich immer eine gute Gelegenheit gute Freunde wiederzusehen und neue Menschen kennenzulernen. Neben der Weiterbildung mit Vorträgen steht für mich ganz klar der Austausch in persönlichen Gesprächen im Vordergrund.

Das diesjährige WordCamp Cologne wurde wieder im Barcamp-Stil organisiert. Somit entfiel die Planung der Vorträge im Vorfeld, denn die Teilnehmenden konnten morgens ihre Themen vorschlagen und es wurde per Handzeichen entschieden ob das Thema für einen Vortrag interessant ist. Vor meiner Anreise nach Köln habe ich mir Gedanken gemacht, welche Themen ich im Gepäck habe. Zum Einen ein Klassiker von mir “Mitwirken an WordPress – auch ohne Programmierkenntnisse” und zum Anderen das Thema “Burnout-Prävention im WordPress-Umfeld”.

Dieser – doch recht subjektive – Bericht ist keine Auflistung der besuchten Sessions, wie in anderen Rückblicken, sondern eher eine Reflektion meiner Erlebnisse zu einem meiner Herzensthemen: Burnout-Prävention und Mentale Gesundheit.

Dies beschäftigt mich schon über viele Jahre, zumal ich selbst von einem Burnout betroffen war. Vor zwei Jahren wollten ein ehemaliger Arbeitskollege und ich das Thema in einer Podiumsdiskussion beim WordCamp Cologne 2015 anbieten. Leider wurde der Themenvorschlag abgelehnt. Dies hat mich ziemlich enttäuscht, denn das Thema “Mentale Gesundheit” ist heute wichtiger als je zuvor.

Beim WordCamp Frankfurt 2016 wurde mein Session-Vorschlag “Burnout & Depression im digitalen Alltag als Webworker” akzeptiert. Ich erkrankte wenige Wochen vor der Veranstaltung allerdings so schwer, dass ich schweren Herzens meine Teilnahme und den Vortrag absagen musste.

Wie heißt es im Volksmund: “Aller guten Dinge sind drei!”. Beim diesjährigen WordCamp Cologne traf ich auch meinen ehemaligen Arbeitskollegen, mit dem ich schon vor zwei Jahren die Session halten wollte, wieder. Beim Session-Pitch am ersten Konferenztag waren wir uns schnell einig, das Thema “Mental health for Webworker” als offene Diskussionsrunde anzubieten.

Wir waren vom Interesse an unserer Session vollkommen überwältigt.

Diese wurde direkt nach dem Mittagessen eingeplant. Somit hatten wir etwas Zeit für ein paar Vorbereitungen und Absprachen, wie wir die Session angehen wollen.

Um 14 Uhr war es dann soweit. Der Raum füllte sich schnell. Es war uns wichtig, gleich zu Beginn auf ein paar Grundregeln zu der Session hinzuweisen.

Keine Video- und Tonaufnahme für WordPress.tv oder andere Medienkanäle!

Die Privatsphäre der Teilnehmenden muss gewahrt werden, wenn außerhalb des Raumes über die Session gesprochen wird. Alle Teilnehmer sollten sich frei fühlen, auch persönliche Erlebnisse anzusprechen, ohne negative Auswirkungen befürchten zu müssen.
Jedem wurde freigestellt den Raum jederzeit zu verlassen, wenn das Gespräch die persönliche Belastungsgrenze überschreitet. Zumal unter Umständen auch Erfahrungsberichte zu Suizidversuchen etc. berichtet wurden.

Nachdem die Rahmenbedingungen geklärt waren, stellten wir beide uns kurz vor und erzählten warum wir diese Session ins Leben gerufen haben. Darauf folgten ein paar Fragen und persönliche Erfahrungen aus der Runde. Bis dahin waren die Stühle noch in Theaterbestuhlung angeordnet. Ein Teilnehmer äußerte den Wunsch, die Stühle im offenen Kreis anzuordnen. Dies wurde von allen Teilnehmern dankbar angenommen und zügig umgesetzt.

In der nun offenen Gesprächsrunde wurden zahlreiche Erfahrungen, aber auch nützliche Tipps ausgetauscht. Die angesetzte Zeit von 45 Minuten verstrich schneller, als uns allen lieb war. Die meisten Anwesenden hätten die Session gerne verlängert, was aber aufgrund der, am Morgen getroffenen, Planung nicht möglich war. Da es aber auch am zweiten Konferenztag einen Session-Pitch geben sollte, haben wir angeboten, das Thema in Form dann eines Workshop noch einmal zu vertiefen.

Wie sich am Sonntag dann herausstellte, war dies eine sehr gute Idee. Die Organisatoren waren einverstanden, gleich zwei Session-Slots am Vormittag zur Verfügung zu stellen. Auch der Workshop war wieder sehr gut besucht. Zu Beginn haben wir die Stühle direkt im offenen Kreis aufgestellt.

Bedauerlicherweise war mein Sparrings-Partner kurzfristig erkrankt und ich habe die Workshop-Moderation dann alleine übernommen.

Eine Teilnehmerin hat sich dankenswerterweise bereit erklärt Notizen zu machen. Es galten die selben Regeln, wie am Vortag und so stellte sich schnell eine vertrauensvolle Atmosphäre ein.

Auch der Workshop war gespickt mit persönlichen Erfahrungsberichten, aber auch Erkenntnissen aus Arbeitgebersicht. Wieder wurden viele nützliche Tipps gesammelt. Im Anschluss der Session habe ich versprochen, die gesammelten Informationen rund um die Selbsthilfe, Prävention und professionelle Hilfsangebote in einem Beitrag zu veröffentlichen. (Siehe weiter unten)

Die überwältigenden Rückmeldungen haben mir gezeigt, wie sehr das Thema den Teilnehmern unter den Nägeln brannte. Viele äußerten ihre Dankbarkeit darüber, dass sich jemand dessen auf einem WordCamp annimmt.

Hier nun die versprochene Sammlung der Tipps (ohne Gewähr):

“A special type of job stress — a state of physical, emotional or mental exhaustion combined with doubts about your competence and the value of your work.” – Mayo Clinic

Körperliche Warnzeichen

  • Appetitlosigkeit / Magen-Darm-Beschwerden
  • Schlaflosigkeit / Schlecht einschlafen, morgens nicht aus dem Bett kommen
  • soziale Abschottung /
  • Kreislaufstörung / Herzrasen / Herzrhythmusstörungen
  • Häufigere Erkältungen
  • Kopfschmerzen und andere unerklärliche Beschwerden
  • Antriebslosigkeit
  • Schweißausbrüche
  • übermäßig viel Schlaf

Mentale Anzeichen

  • Aufschieberitis
  • Fehlende Motivation eine Aufgabe zu starten
  • Reizüberflutung nicht mehr verarbeiten
  • Panikattacken
  • Depressionen
  • Verwahrlosung (Körperpflege, Haushalt etc.)
  • Angstattacken
  • Suchverhalten

Tipps zur Selbsthilfe

  • Den Tag ohne Medienkonsum beginnen & beenden
  • “Eat the frog” – das Unangenehmste zuerst erledigen
  • Individuelle Rituale und Strukturen anpassen
  • Entschleunigung
  • Trigger / Timer setzen (Pomodoro, Zeitschaltuhr WLAN)
  • Frischluft / Tageslicht / Sonne
  • moderate Bewegung ( Spaziergang, Schwimmen…)
  • Agieren statt Reagieren
  • Eigene Regeln definieren im Umgang mit Kunden / Arbeitgeber und diese klar kommunizieren
  • E-Mail Autoresponder einrichten. (Hinweis Kontaktaufnahme nur im absoluten Notfall)
  • Selbstbestimmung: Selbst entscheiden können & wollen, mit wem man man wann kommuniziert
  • Als Freelancer Aufschläge für Kontaktaufnahme bzw. Handlung außerhalb der vereinbarten Zeiten. (Urlaub,
  • Wochenende, nach Feierabend)
  • Aufgaben, Meilensteine, Urlaub, Saisontiefs-/hochs großzügig planen
  • Passendes Arbeitsumfeld schaffen (höhenverstellbarer Schreibtisch & Bürostuhl, dynamisches Sitzen (Pezzi-
  • Ball, Swopper etc)
  • Augen entspannen (Palmieren der Augen, zwischendurch in die Ferne schauen)
  • Lichteinfall optimieren, (Licht soll nicht blenden, aber hell genug den Arbeitsplatz ausleuchten)
  • Gesunde Ernährung – bewusst essen
  • Viel trinken ( Wasser, verdünnte Fruchtsäfte)
  • Nicht am Schreibtisch essen!
  • Beim Arbeiten auf EINE Sache konzentrieren => siehe Pomodoro-Technik
  • Persönliche Bedürfnisse kennen und beachten
  • Nicht zu viele Ehrenämter annehmen
  • auch mal Loslassen können / ersetzbar werden

Professionelle Hilfe

  • Körperliche Ursachen überprüfen ( Nebennierenwerte, Schilddrüsenwerte, Mikronährstoffe überprüfen lassen)
  • Coaching / Lebensberatung
  • Psychotherapie
  • Cranio-Sacral-Therapie
  • Heilpraktiker / Osteopath
  • Krankenkassen zur Kostenübernahme von freien Therapeuten in Anspruch nehmen (meist möglich nach 5 Absagen bei Kassenärzten/Therapeuten)
  • Terminservice wo möglich nutzen
  • Erstes Feedback bei freien Therapeuten als Selbstzahler einholen

Linkliste

Mein persönliches Fazit

Die Erfahrungen und Erkenntnisse des für mich sehr bewegenden WordCamp Cologne 2017 haben mich darin beflügelt, mein Blog wieder mit Leben zu füllen und meiner wahren Berufung mehr Beachtung zu schenken.

Das Leben hatte mich in den letzten Jahren ziemlich heftigen Prüfungen unterzogen, die ich teilweise noch nicht vollständig verarbeitet habe. Aber das soll mich jetzt erst recht motivieren meine Ausbildung zum Life-Coach wieder mehr in den Vordergrund zu rücken.

Dazu habe ich mir einige Gedanken gemacht und werde demnächst darüber in einem separaten Beitrag berichten.

Eine Bitte an dich!

Warst du beim WordCamp Cologne in einer der beiden #mentalhealth Session? Wenn ja, magst du den Leserinnen und Lesern noch ein paar ergänzende Worte hinterlassen? Gerne freue ich mich grundsätzlich über Feedback zu diesem Beitrag, zu meiner bisherigen Präsenz in der Community oder allgemein Fragen zum Thema Burnout-Prävention und Mentale Gesundheit.